Sonntag , 24 September 2017
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Organisationstipp: Sammlungen (Collections)

Wer hatte nicht schon einmal das Gefühl, es wäre sinnvoll und nützlich, wenn man die zu einem bestimmten Thema gehörenden Dokumente auf einen Klick hintereinander weg lesen könnte? Unabhängig davon, wie weit sie voneinander im Binder entfernt sind, und ohne sie einzeln manuell markieren zu müssen?
Als ich anfing, mit Scrivener zu arbeiten, bin ich großzügig über die »Sammlungen« hinweggegangen, weil ich nicht wirklich wusste, wozu ich sie benutzen sollte. Inzwischen gehören sie zu meinen wichtigsten Werkzeugen, um mir den Schreiballtag zu erleichtern.

Was ist eine »Sammlung«?
Icon/ButtonDas Gleiche wie eine altmodische Sammelmappe oder ein Ordner auf der Festplatte, worin man wie auch immer zusammengehörige Information aufbewahrt.
In Scrivener werden Sammlungen oben im Binder angezeigt, allerdings erst dann, wenn man vorher auf den entsprechenden Button klickt.
(Anmerkung: Ich benutze das Wort »Binder« für die Auflistung aller in einem Projekt enthaltenen Dokumente auf der linken Seite der Oberfläche von Scrivener, weil die sehr allgemeine Bezeichnung »Mappe« öfter mal für Missverständnisse sorgt.)

Anzeige der Sammlungen im BinderHat man beim Klicken auf den Button bisher noch keine eigenen Sammlungen erstellt, wird nur der Binder (»Mappe«) aufgeführt und eine Sammlung mit dem Titel »Suchergebnisse«. Diese Sammlung erstellt sich automatisch, und wenn man sie anklickt, erhält man das Resultat der letzten durchgeführten Suche. Sollte man bisher noch keine Suche durchgeführt haben, öffnet sich eine leere Mappe mit einem farbigen Hintergrund.

Damit wären wir gleich beim Stichwort, nämlich der »Suchsammlung«.
Um sie anzulegen, muss man, wie das Wort schon sagt, nach etwas suchen. Im Beispiel nach einem Wort im Text, weshalb ich vorher die Suchoptionen bearbeiten muss.

Suchoptionen im MenüDafür klickt man auf das Dreieck neben der Lupe beim Suchfeld und wählt die gewünschte Option aus. Anschließend schreibe ich mein Stichwort »Jonny« in das Suchfeld neben der Lupe, und das Ergebnis meiner Suche wird automatisch im Binder angezeigt.
Wenn ich jetzt möchte, dass mir diese Sammlung von Dokumenten, die den Namen »Jonny« im Text beinhalten, erhalten bleibt, muss ich sie speichern. Dafür klicke ich wieder auf das Dreieck neben der Lupe und wähle ganz unten aus: »Suche als Sammlung speichern«.

Suchsammlung speichern: DialogboxEs erscheint eine Dialogbox, in der ich einen Namen für die Suche eingeben kann, und aus Gründen der Übersichtlichkeit belasse ich den Titel einer Suchsammlung gewöhnlich bei dem jeweiligen Suchbegriff.

Nach dem Klick auf »OK« springt der Binder zur soeben gespeicherten Suche und zeigt die Dokumente auf einem automatisch gewählten Hintergrund an, der sich in der Farbe vom Hintergrund der automatisch erstellten »Suchergebnisse« unterscheidet.

Wenn ich von der Ansicht der Suchsammlung mit dem Namen »Jonny« (oder jeder anderen Sammlung) wieder zum Binder zurückkehren möchte, klicke ich auf das »x« am rechten unteren Rand des Binders.

Schön. Jetzt haben wir eine auf einer Textsuche basierende Sammlung.
Die Frage ist: Wozu brauchen wir die?

Einfachstes Beispiel: Jonny soll eigentlich »Mike« heißen, und wir wollen nach und nach alle Jonnys aus dem Manuskript eliminieren, weshalb wir wissen wollen, wo der Name überall steht.
Allerdings ist das nicht das beste Beispiel, denn dafür gäbe es auch die Möglichkeit des projektweiten »Suchen und Ersetzen«.
Der Einfachheit halber werde ich aufzählen, wofür ich die Suchsammlungen verwende.

  1. In meinem Roman kommt eine Droge vor, die mit fortschreitender Entwicklung der Geschichte ihr Aussehen geändert hat. Damit überall von dem Gleichen die Rede ist, suche ich im Text nach dem Begriff für die Droge, speichere das Suchergebnis als Sammlung und kann jetzt bequem der Reihe nach alle Dokumente bearbeiten.
  2. In einigen Dokumenten mussten konkrete Daten ergänzt werden, oder es fehlten Begriffe, die mir noch nicht eingefallen waren (ich schreibe Science Fiction). Um diese Lücken problemlos wiederzufinden, hatte ich die Dokumente schon beim Schreiben mit einem jeweils eigenen Keyword markiert (»Daten fehlen« bzw. »konkreter Begriff fehlt«).
    Wenn ich jetzt nach diesen Keywords suche, kann ich eine Sammlung der Dokumente speichern, bei denen etwas fehlt, und sie zügig abarbeiten, wenn sich die Gelegenheit bietet.
    Sobald die Daten ergänzt sind bzw. der Begriff gefunden ist, lösche ich das Keyword, und das Dokument verschwindet aus der Suchsammlung.
  3. Ich habe sämtliche Dokumente im Manuskript mit Labels gekennzeichnet. Sie unterscheiden sich je nach Erzählbogen in der Farbe, und ihre Bezeichnung beginnt jeweils mit dem Wort »Arc« (=«Bogen«), gefolgt vom Titel des Themas. Zu jedem der Label habe ich mir eine Suchsammlung gespeichert.
    Der Grund: Auf diese Weise sind alle zu einem Erzählbogen gehörigen Dokumente der Reihe nach zusammengefasst, obwohl sie im Manuskript nicht fortlaufend erzählt werden. Mithilfe der Sammlung kann ich auf einen Klick herausfinden, ob ich beim Thema geblieben bin.
  4. Es gab in meinem Roman einige Ideen, die justiert werden mussten. Also habe ich den jeweiligen Dokumenten ein entsprechendes Keyword verpasst und wie unter »2.« eine Suchsammlung erstellt.

Leider stellte sich heraus, dass die Sache damit nicht wirklich klarer wurde. Manche Änderungen umfassten nur eine Szene, andere gingen über mehrere Szenen, die in der Liste mit den Suchergebnissen nicht fortlaufend angezeigt wurden, weil zwischen ihnen wieder andere Dokumente lagen, bei denen das Keyword sagte: »Hier Idee ändern!«
Also musste ich das noch besser ordnen.

Und damit kommen wir zu den »gewöhnlichen« Sammlungen.

Sammlung hinzufügenSie sind noch unkomplizierter anzulegen, als eine Suchsammlung. Man klickt auf den eingangs erwähnten Button, um sich die Sammlungen oben im Binder anzeigen zu lassen, und anschließend auf das Pluszeichen rechts oben.
Damit landet man automatisch in der neuen Sammlung und kann direkt ganz oben einen Titel eingeben. Um die Farbe zu ändern, doppelklickt man auf das kleine farbige Viereck rechts in der Titelzeile.

Dazu noch einen Tipp: Diejenigen Dokumente, die im Binder ausgewählt sind, wenn man auf das Pluszeichen klickt, werden der neu erstellten Sammlung automatisch hinzugefügt. Auf diese Weise habe ich auch mein unter »4.« angesprochenes Ordnungsproblem gelöst. Ich habe mir (zugegebenen) auf einem Zettel die Titel der zusammengehörigen Dokumente notiert, sie anschließend markiert und dann jeweils eine Sammlung mit einem sinnvollen Titel erstellt.
Anschließend war das Aufarbeiten der Ideenänderungen kein Problem mehr.

Dokument hinzufügenUm Dokumente zu einer gewöhnlichen Sammlung hinzuzufügen, kann man sie entweder direkt aus dem Binder auf die Titelzeile der Sammlung ziehen, oder man klickt sie mit rechts an, und wählt im Kontextmenü unter »Zur Sammlung hinzufügen« die jeweilige Sammlung aus. Dabei ist es gleich, ob die Sammlungen gerade im Binder angezeigt werden, oder nicht.

Gut zu wissen: Die Dokumente einer gewöhnlichen Sammlung werden in der Reihenfolge angezeigt, in der sie hinzugefügt wurden, im Gegensatz zu einer Suchsammlung, wo sie in der Reihenfolge ihres Erscheinens im Binder gelistet werden. Sie können auch innerhalb der Sammlung neu geordnet werden, indem man sie einfach an einen anderen Platz in der Auflistung zieht.

Dokument entfernenAus einer gewöhnlichen Sammlung kann man Dokumente auch wieder löschen, im Gegensatz zur Suchsammlung, wo die Auflistung von Dokumenten davon abhängt, ob sie den gesuchten Begriff enthalten, oder nicht.
Dafür markiert man das Dokument in der Liste und klickt anschließend auf das Minuszeichen. Keine Sorge! Damit wird das Dokument nur aus der Sammlung entfernt, und es befindet sich anschließend noch genau dort, wo es auch vorher im Binder war.

Sammlung löschenUm eine ganze Sammlung zu löschen, klickt man auf das Minuszeichen oberhalb der angezeigten Sammlungen und wird dann noch einmal gefragt, ob man sie auch wirklich löschen will, bevor sie weg ist.

Zum Abschluss noch ein Tipp: Gewöhnliche Sammlungen eignen sich hervorragend zum Zusammenstellen und Ausgeben von Manuskripten, beispielsweise den verschiedenen Bänden einer Serie, die sich im gleichen Projekt befinden. Dafür müssen, wie oben beschrieben, nur sämtliche Dokumente markiert werden, anschließend klickt man auf das Pluszeichen und erhält eine Sammlung, die den jeweils aktuellen Band der Serie enthält. Die Sammlung kann man dann anschließend im Dropdown-Menü der »Ausgeben«-Dialogbox auswählen.Ausgabe zusammenstellen

Fazit: Ob man den Überblick behalten will, was noch zu erledigen ist, ob man gezielt an einzelnen Erzählbögen arbeiten möchte, oder ob man fertige Texte ausgeben lassen möchte, Sammlungen erleichtern das Schreiberleben ungemein.

Das einzige Gimmick, was ich mir noch wünschen würde, wäre eine Warnleuchte in der Titelzeile einer Suchsammlung, die anzeigt, ob die Sammlung Dokumente enthält oder ob sie leer ist.

Über Christine Ulrich

... schreibt, seit sie es kann, kriegt aber erst seit 2013 langsam die Kurve, sich auch öffentlich zu bekennen. Seitdem gibt es deutlich (noch) weniger warme Mahlzeiten und signifikant mehr Staub in ihrer Umgebung. Einige ihrer kürzeren Geschichten spielen in der Zukunft, Gegenwärtiges und Sonstiges gibt’s auf ihrem Blog.

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