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Zeitmanagement mit Aeon Timeline

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Wer mit der Autorensoftware Scrivener umfangreiche Romanprojekte erstellt, kommt irgendwann an den Punkt, an dem er sich in Zeitabläufen paralleler Handlungsstränge verstrickt. Natürlich kann man sich mit handschriftlichen Zetteln an der klassischen Pinnwand oder gespannten Seilen, an denen Handlungsabläufe mit Wäscheklammern festgehalten sind, behelfen. Oder mit ergänzenden Word- oder Excel-Dokumenten — selbstverständlich auch in entsprechenden LibriOffice- oder Apple-Programmalternativen. Aber wirklich befriedigend ist das alles nicht. Es hält den Kopf des Autors über Wasser, verhilft ihm aber nicht zu einem eleganten Schwimmstil.

Schluss mit „irgendwie“

Das Logo von Aeon Timeline
Das Logo von Aeon Timeline

Es gibt eine formvollendete Alternative, die sogar direkt mit Scrivener verzahnt ist: Aeon Timeline von Scribble Code. Aeon Timeline ist ein sehr machtvolles Tool, um komplexe Handlungs- und Zeitabläufe optisch darzustellen, daraus Scrivener-Textdokumente zu generieren und direkt in Scrivener zu importieren. Allerdings ist es dafür sinnvoll, das Scrivener-Template von der Scribble Code-Website zu verwenden, da dort bereits alle Programmierungen für diese enge Verzahnung enthalten sind.

 

 

Wie funktioniert die Verbindung zwischen Aeon Timeline und Scrivener?

Ich selbst arbeite seit etwa einem halben Jahr mit dieser Kombination und bin sehr angetan. Im Folgenden gebe ich einen Überblick über das Programm und den Weg der Interaktion mit Scrivener und Aeon Timeline.

PROGRAMMINSTALLATION UND ERSTE SCHRITTE

Der erste Schritt ist natürlich der Download des Programms für Mac oder Windows, entweder nach dem Kauf oder in der Trialversion, die man an zwanzig voneinander unabhängigen Tagen testen kann. Nach dem Installieren erscheint dann ein Fenster, in dem man entweder einen neuen Kalender anlegen oder auf eine bereits bestehende Datei zugreifen kann.

Das Begrüßungsfenster von Aeon Timeline, in dem man verschiedene Kalenderformen angeboten erhält
Das Begrüßungsfenster von Aeon Timeline, in dem man verschiedene Kalenderformen angeboten erhält

Dabei bietet Aeon Timeline eine Vielzahl von Kalenderformen an, angefangen von unserem realen Kalender nach oder vor Christi Geburt, Zeitstrahl von einem Zeitpunkt Null aus, oder man kreiert einen komplett eigenen. Für meine Bedürfnisse hat der Standardkalender n. Chr. gereicht. Sobald ich mich dafür entschieden und eine solche Vorlage geöffnet habe, erscheint folgendes Dokument:

Ein leeres Aeon Timeline-Dokument
Ein leeres Aeon Timeline-Dokument

EINGABE DER HANDLUNGSSCHRITTE

Ich habe es als sinnvoll empfunden, zuerst die groben Eckdaten eines Projektes in Aeon Timeline anzulegen, soweit ich sie bereits geplottet hatte, und dann die Verbindung zu Scrivener zu knüpfen. Das können zuerst wenige Punkte sein oder eine komplette Handlung. Letztlich ist das gleichgültig, weil sich alles jederzeit erweitern und korrigieren lässt. Von beiden Programmen aus.

Für die Entwicklung komplexer Handlungsabläufe in Scrivener ist Aeon Timeline ein nützliches Tool. Klick um zu Tweeten

So sieht nun also bei mir ein geplotteter Roman aus, der noch nicht geschrieben ist:

Timeline-Dokument eines geplotteten Romans
Timeline-Dokument eines geplotteten Romans

Oben erscheinen die zeitlich verankerten Handlungsschritte, rechts erfährt man, wann was passiert, und unten ist die Szene mit den darin vorkommenden Figuren verbunden. Im Zeitstrahl oben habe ich für jede Figur einen eigenen Bereich (hier Mia, Christiane, Patrick), ebenfalls einen allgemeinen Bereich namens »Global« sowie einen Bereich für die »Backstory«, in der ich Dinge eingebe, die nicht zum Buch gehören, aber zu den Vorgängerbänden.
Ich habe hier in kurzer Form so viel wie möglich eingegeben, weil das alles mit hinüber nach Scrivener wandert.

ÜBERGABE AN SCRIVENER

Um all die eingegebenen Handlungselemente in Scrivener importieren zu können, empfiehlt es sich, mit dem Template von Scribble Code zu arbeiten. Es ist eine erweiterte Fassung des normalen Novel-Format-Templates von Scrivener. Es gibt auch ein Non-Fiction-Template. Beide findet man hier auf der Seite von Scribble Code, ebenso Hinweise zum Integrieren ins Programm.
Die Verbindung zu Scrivener geschieht nun über die Funktion »File > Synchronize«. Dabei wird aus jedem Handlungselement (hier z.B. »Mia erhält Kündigungsbrief«) ein Textdokument in Scrivener, das erst einmal in einem eigenen Ordner namens »Aeon Timeline Exported Events« landet. Man selbst verteilt dann die Szenen in seine eigenen Kapitelordner. Einmal richtig sortiert, bleiben die Szenen natürlich bei jeder Aktualisierung genau dort, wo sie hingehören.
Falls man nicht von jedem Handlungsschritt eine Szene haben möchte, weil er z.B. zur Backstory gehört, kann man das im Zuge der Synchronisierung abwählen — oder auf einen späteren Zeitpunkt verschieben.

Die Synchronisierung zwischen Aeon Timeline und Scrivener
Die Synchronisierung zwischen Aeon Timeline und Scrivener

Im Screenshot sieht man auch sehr schön, dass Timeline-Einträge, die bereits in einem Ordner gelandet sind, auch genau da angezeigt werden (die unteren Einträge), neue Handlungsschritte zu einem neuen Dokument führen (was man aber durch Anklicken des farbigen Pfeils ignorieren oder auf später verschieben kann) und dass geänderte Handlungsschritte auch eine Änderung in Scrivener nachsichziehen (ganz oben »Mia hat Migräne«).

UMSETZUNG IN SCRIVENER

Mappe (Binder) mit dem Ordner "Aeon Timeline Exported Events"
Mappe (Binder) mit dem Ordner „Aeon Timeline Exported Events“

In der Mappe sieht man die normale Ordner-/Kapitelstruktur, in die ich die meisten Szenen (= Aeon Timeline-Einträge) einsortiert habe, darunter den Ordner »Aeon Timeline Exported Events«, in die noch nicht zugewiesene, neue Dokumente kommen, wenn man synchronisiert. Anschließend verschiebt man diese dann in die gewünschten Ordner.
Das alles funktioniert über Metadaten, die man auch in Scrivener ändern kann und mit Aeon synchronisiert. D.h. der ganze Synchronisierungsprozess funktioniert auch anders herum: Ich stelle beim Schreiben fest, die Szene findet nicht am Tag A um Uhrzeit X statt, sondern sinnvollerweise besser am Tag B zur Uhrzeit Y. Dann ändere ich das in Scrivener in den Metadaten und synchronisiere.

 

 

Aeon Timeline greift auf die Metadaten in Scrivener zurück, die man auch dort ändern kann. Klick um zu Tweeten

Scrivener-Metadaten für Aeon Timeline
Scrivener-Metadaten für Aeon Timeline

Dazu ist es notwendig, in Scrivener zu speichern und das Projekt zu schließen. Dann öffne ich die entsprechende Timeline in Aeon Timeline und synchronisiere. Danach sind beide Programme wieder up to date.
Das funktioniert natürlich auch auf zwei Rechnern, allerdings benötigt man dann auf beiden Rechnern beide Programme. Aeon Timeline muss außerdem mit in die Synchronisierungsroutine integriert werden (bei mir über Wuala, aber das geht natürlich auch über andere Dienste wie Dropbox, iCloud etc.).

 

ERGÄNZUNGEN AUFGRUND VON KOMMENTAREN ZUM BEITRAG

  1. Aeon Timeline lässt sich auch mit einem bereits bestehenden Scrivenerprojekt verbinden, das auf einem Standardtemplate von Literature and Latte beruht. Allerdings fehlen dann die Metadaten von Scribble Code, sodass man Änderungen der Zeitebene immer in Aeon Timeline eingeben muss. Die wechselseitige Synchronisierung funktioniert dann nicht, das mag aber bei einem existierenden Projekt zu verschmerzen sein.
  2. Weiterhin ist es möglich, eine Timeline mit mehreren Scrivenerprojekten zu verknüpfen. Das ist z.B. bei einer Serie sinnvoll, deren Handlung fortläuft. Bei unabhängigen Romanen mit eigenständigen Figuren natürlich nicht.
  3. Um einen Überblick zwischen den Scrivenerszenen und den Aeon Timeline-Einträgen zu behalten, ist es sinnvoll, entweder in der Timeline im rechten Metadatenfeld zu jedem Eintrag ergänzende Infos zu platzieren – oder dies in den Metadaten in Scrivener zu tun. Diese Einträge werden jeweils mit synchronisiert, vorausgesetzt man nutzt das Scribble Code-Template.

Persönliches Fazit

Ich habe mit Aeon Timeline erst mit dem dritten Band einer Trilogie begonnen. Daraufhin habe ich Handlungsstränge aus den Vorgängerbänden auch in mein Timeline-Dokument integriert, allerdings als »Backstory«, für die ich in Scrivener keine eigenen Szenen kreiere. So habe ich einen guten Überblick, was wann geschehen ist und noch geschehen wird.
Wenn das Scrivener-Projekt nicht mit Aeon Timeline synchronisiert ist, kann man natürlich auch darauf zurückgreifen und damit arbeiten, aber der besondere Vorteil dieser dichten Verzahnung ist dann nicht gegeben. Man ist selbst dafür zuständig, die beiden Plattformen gleichermaßen aktuell zu halten.
Für mich insgesamt ein sinnvolles und hilfreiches Tool. Lass mich doch in einem Kommentar wissen, wie Du das Strukturieren von Handlungsabläufen und parallelen Zeitsträngen in Deinen Werken handhabst, denn schließlich führen viele Wege nach Rom …
Und falls Du Dich grundsätzlich für Aeon Timeline interessierst, findest Du auf der Website des Herstellers gute Einführungsvideos, die ich empfehlen kann.

Wer mit der Autorensoftware Scrivener umfangreiche Romanprojekte erstellt, kommt irgendwann an den Punkt, an dem er sich in Zeitabläufen paralleler Handlungsstränge verstrickt. Natürlich kann man sich mit handschriftlichen Zetteln an der klassischen Pinnwand oder gespannten Seilen, an denen Handlungsabläufe mit Wäscheklammern festgehalten sind, behelfen. Oder mit ergänzenden Word- oder Excel-Dokumenten — selbstverständlich auch in entsprechenden LibriOffice- oder Apple-Programmalternativen. Aber wirklich befriedigend ist das alles nicht. Es hält den Kopf des Autors über Wasser, verhilft ihm aber nicht zu einem eleganten Schwimmstil. Schluss mit "irgendwie" Es gibt eine formvollendete Alternative, die sogar direkt mit Scrivener verzahnt ist: Aeon Timeline von Scribble…

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Über Kari Lessir

Kari Lessir
Es war ein kalter Wintermorgen des Jahres 1967, als Kari Lessír das Licht der Welt erblickte. Von klein auf liebte sie es, Geschichten zu erfinden, zu malen und zu musizieren. Solange sie zur Schule ging, konnte sie all diese Interessen gleichermaßen verwirklichen. Doch nach dem Abitur klopfte der Ernst des Lebens an die Tür: Plötzlich sollte sie sich für nur einen Berufsweg entscheiden. Gar nicht so einfach. Und so kam es, dass sie Musikwissenschaft studierte, sich zur Mediengestalterin weiterbildete und ein Fernstudium in Kreativem Schreiben abschloss. Viele Jahre arbeitete sie in einem angesehenen Verlagshaus, nun ist sie als freie Autorin in Wiesbaden tätig und dankbar für ihre vielfältigen Berufs- und Lebenserfahrungen. Kari Lessír ist Gold-Mitglied bei Qindie, außerdem Mitglied im Verband deutscher Schriftsteller (VS) Rheinland-Pfalz in ver.di. In ihrer Freizeit engagiert sie sich für hochbegabte Kinder und Jugendliche.

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