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Scriveners Outliner

Quelle: pixabay.com/de/users/geralt-9301/

Intro – Teil 1/6

Neulich, im Club: Na, schreib doch mal was für Scrivpost darüber, wie du mit dem Outliner arbeitest, und zum Thema „Was ist besser – Corkboard oder Outliner?“.

Tja, muss ich da sagen, ich habe keine Ahnung was von beiden besser ist – ich benutze die Corkboard-Ansicht so gut wie nie. Aber ich gehörte ja auch in den analogen Zeiten, als man noch auf mechanische Schreibmaschinen einhämmerte, schon nicht zu der Autorenfraktion, die über dem Schreibtisch eine Pinnwand voller Karteikarten hängen hatte. Ich kenne viele von denen, die gejubelt haben, als Scrivener sein Corkboard präsentierte, aber mir bringt auch die digitale Version davon nicht so viel.

Wie auch immer – ich soll verraten, was mir am Outliner so gefällt, und natürlich tue ich das gerne. Was ich nun verrate, gilt freilich nur für die Mac-Version von Scrivener – ich arbeite nie mit Windows-Rechnern und weiß nicht, was an der Windows-Version anders ist. Und außerdem sollte ich noch vorausschicken, dass ich mit der englischen Version von Scrivener arbeite – zum einen finde ich die deutsche Übersetzung der lokalisierten Version … sagen wir: eigenwillig, und zum anderen sammele ich ja schon seit einigen Jahren Tipps & Tricks zu unserem Lieblingsprogramm – und die kommen halt zum größten Teil aus den U.S. of A., wo Scrivener bei Autoren offenbar der Hit ist. Und wo diese Autoren (und -innen, selbstverständlich – aber das erwähne ich hier nur ein Mal) erfreulich kollegial und freigiebig sind mit dem, was sie gelernt haben. Eine Einstellung, die wir hier auf Scrivpost ja ebenso erfreulich gleichfalls pflegen.

Da in dem Posting zum Thema Outliner auch grundsätzliche Fragen zur Organisation und Struktur eines Manuskripts auftauchten, werde auch ich hier ein klein wenig weiter ausholen – und zumindest meine Arbeitsweise mal vorstellen. Zu beachten wäre hier allerdings, dass das meiste von dem, was ich hier schreibe (leider?) eher nur ziemlich graue Theorie ist – weil ich nämlich meistens darauf brenne, mit dem ersten Kapitel loszulegen … und sich dann die ganze schöne Struktur als ‘nice try’ entpuppt, weil meine Protagonisten sich plötzlich in völlig andere Richtungen selbstständig machen … 😉

Anyway. Ein neues Scrivener-Project ist angelegt. Für das Schreiben von Belletristik beginne ich immer mit dem „Novel“-Template im Scrivener-Startfenster (Abb. 001).

Abb. 001
Abb. 001

Allerdings habe ich das für mich schon recht früh einmal – und dann, learning by doing, noch des Öfteren – für mich zurechtgebogen. Heißt: Alle möglichen Voreinstellungen nach meinen Bedürfnissen geändert – von welche Farbe soll was haben? über Seitenformat bis Zeichensatz, Textgrößen und Absatzformate sowie verschiedene Fensterdarstellungen und ein paar immer wieder gebrauchte Ordner im Research-Ordner des Binders. Um das näher zu erläutern, müsste ich aber wohl ein neues Projekt schreiben. Auf jeden Fall habe ich das nach jeder neuen Änderung unter > File > Save As Template als eigene Vorlage abgespeichert (und dabei die Vorversion überschrieben). In Abb. 001 siehst du es in der Mitte: richscriv.

Das neue Projekt – Teil 2/6

Also sieht das gerade begonnene Project  nun so aus:

Abb. 002 – Das Scrivener-Project Outliner
Abb. 002 – Das Scrivener-Project Outliner

Die Fenster von links:

  1. der aufgeklappte Binder,
  2. der Schreib-Editor,
  3. der Zweit-Editor mit dem zugeklappten Outliner und
  4. der Inspector.

Viele Autoren bevorzugen die horizontale Split-Ansicht des Editors – da ich aber gerne schon beim Schreiben eher kürzere Zeilenlängen habe, bekomme ich in der vertikalen Ansicht viel mehr von meinem Text zu sehen (und vom Outliner sowieso).

Kurzer Ausflug zum Binder:

Der oberste Ordner („Draft“) ist der Manuskript-Ordner – in diesen gehört alles, was später ausgedruckt oder exportiert werden soll. (Eigentlich hätte ich ihn auch gleich schon in „Outliner“ umbenennen können, denn das ist ja der Titel dieses Projects. Verpennt.)
Im Draft-Ordner befinden sich also jetzt bereits ein paar vorsorglich angelegte Kapitel-Ordner, und im ersten davon („Chapter“) schon zwei Textdokumente.
Unter dem Draft- gibt’s den Research-Ordner. In dem sich zwangsläufig alles befindet, was nicht in das Manuskript gehört. Teils weil es einfach nicht dort hinein gehört, teils weil es Dateiformate gibt, die sich gar nicht in den Draft-Ordner bewegen lassen (allein dafür kriegt Scrivener einen Extra-Orden!). In meinem Fall sind das nun die Ordner:

  • Bin – Hier parke ich alles an Text, was ich in diesem Manuskript zwar geschrieben habe, aber zumindest vorläufig nicht brauchen kann. Weil ich noch nicht weiß, wohin es gehört, z.B. Oder weil es eine Idee für ein anderes Project ist.
  •  Characters – Hier liegen die Character Sheets – also die Steckbriefe meiner Figuren. Ganz praktisch, wenn man unterwegs irgendwann feststellt, dass unser Held in einem frühen Kapitel 30, in einem späteren aber nach einer Woche schon 36 Jahre alt ist. Oder sich plötzlich auf 27 verjüngt hat. Oder dass unsere Heldin im zweiten Kapitel blaue und im siebten grüne Augen hat.
  • Places – Hier liegen die Ortsbeschreibungen – wie im Characters-Ordner gerne auch mit Bilddateien („Wie war das noch mal – stand der Dom jetzt links vom Bahnhof oder rechts …?“).
  •  Recherche – Alles, was an Hintergrundwissen gesammelt wurde oder noch zu sammeln ist, liegt hier. Inklusive Fotos, Grafiken, PDFs, Web-Links usw.
  • Stoffsammlung – Selbsterklärend, oder?
  • UTIs – Ist die Abkürzung für Utilities – Nützliches also, Werkzeug. Teilweise vom Scrivener-Template vorgegeben, aber auch so was wie meine beiden Listen mit Shortcuts. Ich finde es nützlich, die immer zur Hand zu haben, besonders wenn ich zum elften Mal mit dem Cursor den gleichen Menübefehl suche, dessen Standort ich mir nicht merken kann, aber auch den Shortcut schon wieder vergessen habe.
  • Audio Files – Genau.
  • Images – Alles an Bildmaterial, das ich für das Buch brauche – in diesem Fall z.B. all die Screenshots.

Eher zufällig gibt es jetzt hier noch das Tutorial, das man sich auf die Art zwischendurch schon mal zum schnellen Nachschlagen in das zweite Editorfenster legen kann, und zwei kurze Abhandlungen über Schreibmethoden. Sollen uns hier nicht weiter stören.

  • Trash – Der Scrivener-Papierkorb. In dem alles, was aus dem Binder gelöscht wurde, aber so lange liegen bleibt, bis man ihn leert. Es soll Leute geben, die die – bittere – Erfahrung gemacht haben, dass sie ihn besser erst geleert hätten, als das Buch fertig war (Nein, keine Angst vor Dateigrößen – Scrivener kann einiges vertragen; ein Project muss schon sehr voll sein mit Dateien bis zu Videoformatgröße, bis es … nein, nicht zusammenbricht, sondern bloß beim Schließen – und Speichern – ein bisschen langsamer wird).

So viel zum Binder. Zu dem es natürlich auch noch so manches Hilfreiches zu sagen gäbe – aber die Feinheiten sind ja heute nicht unser Thema.
Deswegen, und weil meine Target-Uhr in der Fußleiste des Editors sagt, dass ich meine geplante Zeichenanzahl für dieses Kapitel (5.000) längst erreicht habe (knapp 7.000), fange ich jetzt ein neues Kapitel an.
Nenne dieses „Chapter“ also nun „Intro / Binder“ und benenne das „Kap. 01“ in „Editor / Outliner“ um. In der Hoffnung, dass ich dann in absehbarer Zeit auch mal zum eigentlichen Thema komme.

Über Rich Schwab

Rich Schwab

Musiker, Texter und Autor. Buchkürzer. Gelegenheitslektor.
Kölner, Jahrgang 1949.
Lebt mit der angetrauten Düsseldorferin auf neutralem Gebiet am Niederrhein. Vorsichtshalber mit Hund.

Alternatives Ergebnis

Organisationstipp: Sammlungen (Collections)

Wer hatte nicht schon einmal das Gefühl, es wäre sinnvoll und nützlich, wenn man die …

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