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Scrivener und Mind-Maps

Mind-Was?

Mind-Maps sind ein verbreitetes Werkzeug zum Brainstormen und zum Strukturieren von Ideen. Ein beliebtes Programm in der Scrivener-Gemeinde ist das (vom gleichen Programmierer stammende) Scapple. Scapple hat gegenüber den meisten vergleichbaren Programmen den Vorteil, dass man seine Notizen völlig frei festhalten kann. Man muss nicht von einem zentralen Thema aus Kinder und Kindeskinder verknüpfen, wie es üblicherweise der Fall ist. Unter Umständen kann es aber auch anregend sein, beschränkter zu sein und nicht darüber nachdenken zu müssen, wo und wie man seine Ideen anordnet. Mind-Map-Programme übernehmen die Anordnung häufig selbst, so dass man nur Punkte hinzufügen muss und sich ganz dem Ideenfluss hingeben kann. Ein anderer Nachteil von Scapple ist (je nach Geschmack), dass die Möglichkeiten der Gestaltung begrenzt sind. Bei vielen Mind-Map-Apps kann man umfassende grafische Anpassungen vornehmen, was insbesondere dann hilfreich ist, wenn es um die strukturierte Darstellung komplexer Zusammenhänge geht (vielleicht, für unsere Zwecke, Beziehungen zwischen Figuren eines Buches).

Eine Mind-Map. Wenn ihr sie mit den Screenshots weiter unten vergleicht, seht ihr schon, wie stark man die Optik anpassen kann.
Eine Mind-Map. Wenn ihr sie mit den Screenshots weiter unten vergleicht, seht ihr schon, wie stark man die Optik anpassen kann.

Ein dritter wichtiger Grund, eine Mind-Map-App zu verwenden, kann darin liegen, dass es Scapple bislang nicht für Mobil-Geräte gibt. Ein Tablet ist eigentlich ein ideales Gerät, um mit so einer Software Ideen festzuhalten. Oder, für spontane Eingebungen, ein Smartphone. Für iOS gibt es eine unüberschaubare Anzahl von Apps dieser Art.

Und was hat das jetzt mit Scrivener zu tun?

Wenn wir bei iOS sind, kommt noch ein Aspekt hinzu: die Scrivener-Gemeinde wartet sehnsüchtig auf Scrivener für iOS (und jüngste Berichte sprechen dafür, dass es bald soweit sein könnte). Bis dahin kursiert eine Vielzahl von Möglichkeiten, Mobil-Gerät und Scrivener zu verknüpfen. Eine, die vielleicht nicht gleich auf der Hand liegt, ist der Weg über eine Mind-Map.

Die meisten Varianten, um zwischen Scrivener und einem Mobilgerät Daten zu tauschen beziehen sich auf Text-Dokumente. Eine der Stärken von Scrivener ist aber freilich auch das Strukturieren von Texten. Eine App, die sich darauf spezialisiert hat, mit Scriveners Corkboard zu arbeiten, ist Index Card für iOS. Ehrlich gesagt habe ich aber hiermit nicht so gute Erfahrungen gemacht und habe ähnliches von Anderen gehört.

Doch es gibt noch eine Möglichkeit! Eine Mind-Map, die als OPML-Dateil gespeichert wurde, kann man in Scrivener importieren. Jeder Eintrag der Mind-Map wird zu einem Scrivener-Dokument. Kinder eines Eintrages werden Subdokumente. Und, was die Sache noch besser macht, wenn die Mind-Map die Möglichkeit bietet, Notizen zu einem Eintrag anzulegen (und dies zumindest auf diese Weise tut, wie es meine App macht), erscheinen diese Notizen in Scrivener als Text und in der Synopsis. Ich kann also theoretisch sogar schon den Inhalt meiner Szenen in der Mind-Map schreiben (oder mit einem Texteditor meines Smartphones/Tablets, von wo aus ich sie in die Mind-Map kopiere) und am Ende nach Scrivener schicken. Dort habe ich dann nicht nur einzelne Textdokumente, sondern alles bereits in der vorgesehenen Struktur.

Umgekehrt scheint es leider nicht zu funktionieren. Zwar kann ich mein Scrivener-Projekt als OPML-Datei exportieren und in der Mind-Map-Software öffnen. Ich bekomme dann auch die korrekte Struktur angezeigt. Der Inhalt meiner Dokumente wird aber leider nicht in die Notizen übernommen. Dieser Weg eignet sich also nicht unbedingt, um sein ganzes Projekt auf das Mobilgerät zu bekommen und dort zu bearbeiten (falls ich noch in Erfahrung bringe, ob und wie das doch geht, werde ich es hier ergänzen).

Für den umgekehrten Fall aber, nämlich das Brainstormen eines neuen Projektes, das Entwickeln einer Plotstruktur, stellt das Mind-Mapping eine interessante Alternative dar. Gerade für visuell orientierte Menschen oder solche, die ihre Fantasie anregen wollen, indem sie mal von ihrem üblichen Bildschirm weggehen.

Welche App nimmt man da?

Ich will keine Werbung machen, aber ich kann dennoch begründen, weshalb ich mich für „iThoughts“ entschieden habe. Wie erwähnt gibt es unzählige vergleichbare Programme im iTunes-Store. Vom Grundprinzip tun alle das Gleiche. iThoughts ist mit 12€ für eine iOS-App nicht gerade billig. Allerdings bietet sie einige Vorteile. Vor allem braucht man eine App, die ins OPML-Format exportieren kann und da fallen schon mal viele aus. Dann ist ein wichtiges Argument natürlich die Bedienung. Bei vielen der Apps, die ich ausprobiert habe, ist die Bedienung etwas hakelig, man muss winzige Plus-Zeichen neben den Einträgen drücken und ähnliches. iThoughts (aber auch andere) bietet schnell erreichbare, große Schaltflächen, um Kinder oder Geschwister zu erzeugen, so dass man sehr flüssig arbeiten kann. Und dann hat iThoughts eine riesige Auswahl an Stileinstellungen, die sich komplett den eigenen Wünschen anpassen lassen. Es exportiert und imporiert alle denkbaren Formate, es unterstüzt URLs, hat eine eingebaute Suchfunktion und diverse Gimmicks, die ich noch gar nicht alle durchschaut habe. Alle Funktionen sind für die 12€ schon dabei, keine versteckten Kosten durch In-App-Käufe, kein Zwang, sich irgendwo zu registrieren. Und eine Universal-App ist es auch. Kurz, es ist eine dieser Apps, die alles richtig machen und alles können, wie der geniale GoodReader es für PDFs ist.

Ein Vorgeschmack auf die vielfältigen Einstellungsmöglichkeiten
Ein Vorgeschmack auf die vielfältigen Einstellungsmöglichkeiten in iThoughts

Es gibt auch eine Desktop-Version. Die kostet allerdings fast 50€ und das fand ich dann doch zu teuer, zumal man auf dem iPad wunderbar damit arbeiten kann und es für mich keine Notwendigkeit gibt, es dann unbedingt auf dem Desktop-Computer zu benutzen.

Und wie geht es?

Eine Mind-Map startet immer mit einem zentralen Thema, das zugleich der Titel ist. Unterpunkte lege ich durch Doppel-Tippen an (dann kommt automatisch ein Kind des markierten Eintrags) oder mit den Schaltflächen. Es öffnet sich automatisch die Tastatur, um den Inhalt zu tippen. Wenn ich fertig geschrieben habe, kann ich – wenn die nächste Idee schon lauert – auf die entsprechende Schaltfläche tippen, um sofort ein Kind oder Geschwist dieses Eintrags zu erstellen. Auf diese Weise lässt sich sehr rasch eine Kette von Ideen/Szenn/Was-auch-immer anlegen. Wenn ich Unterpunkte zu einem anderen Eintrag anlegen möchte, muss ich nur diesen Eintrag markieren und dann einen neuen Punkt erstellen.

iThoughts ordnet die Mind-Map automatisch. Ich kann die Art und Weise der Anordnung einstellen. Oder auch wählen, dass es nicht automatisch gehen soll, wenn ich die Einträge händisch auf dem Bildschirm verteilen will. Um es in eine Scrivener-Binder-Struktur zu exportieren, empfehle ich aber, die Automatik anzulassen, um nicht aus Versehen eine unklare Reihenfolge zu verursachen.

Neben den normalen Einträgen gibt es auch „Call-Outs“ – das sind Hinweise, ähnlich einer Haftnotiz – und „Beziehungen“, das sind beschriftbare Pfeile, die von einem Eintrag zu einem anderen zeigen. Ferner kann man mehrere Einträge mit einem farbigen Hintergrund zusammenfassen. Soweit die wichtigsten Grundfunktionen.

Call-Out, Beziehung und
Call-Out, Beziehung und farbige Hintergrundmarkierung

Binder-Struktur

Wenn ich meine Mind-Map zu einer Scrivener-Binder-Struktur machen will, muss ich wissen, wie die Punkte in Scrivener übertragen werden. Im Prinzip ist es ganz einfach: das Zentrale Thema wird ein übergeordneter Container. Jeder Tochter-Punkt wird zu einem Subdokument, und zwar in der Reihenfolge, in der ich sie angelegt habe (die Darstellung in iThoughts kann variieren, je nachdem welche automatisierte Anordnung ich gewählt habe). Weitere Unterpunkte erscheinen wiederum als Subdokumente. Auf dem Screenshot sollte es schnell klar werden.

Kapitel 1 wurde als erstes angelegt, dann Kapitel 2 etc.
Akt 1 wurde als erstes angelegt, dann Akt 2 etc.

Export

Über den „Teilen“-Button komme ich auf eine Vielzahl von Export-Möglichkeiten. Egal, ob ich über E-Mail, einen Cloud-Dienst (Dropbox oder iCloud) oder iTunes teilen will: zunächst wähle ich den Weg, danach werden mir eine Vielzahl von Dateiformaten angeboten. iThoughts merkt sich das zuletzt verwendete Format, so dass ich die Liste nicht jedes mal nach OPML durchsuchen muss.

Viele Exportmöglichkeiten
Viele Exportmöglichkeiten

Import

Der Import nach Scrivener ist ähnlich einfach: über die Importfunktion im Menü suche ich nach der OPML-Datei in meinem Datei-Browser. Meine Mind-Map landet in Form von Dokumenten an dem zuvor im Binder gewählten Punkt.

Die Mind-Map wurde in den Ornder "OPML" importiert.
Die Mind-Map wurde in den Ornder „OPML“ importiert.

Inhalte!

In iThoughts kann ich Notizen anlegen, die, wie erwähnt, beim Export sowohl in das Textdokument als auch in die Synopsis übernommen werden (dass es in beidem landet, finde ich nicht schlecht, löschen kann man eine Variante immer noch).

Hier sieht man am oberen Bildrand meine Notiz. Theoretisch könnte man hier bereits den gesamten Inhalt des Kapitels schreiben.
Hier sieht man am oberen Bildrand meine Notiz. Theoretisch könnte man hier bereits den gesamten Inhalt des Kapitels schreiben. Die Notiz gehört zum gerade aktiven Eintrag „1.Szene Intro“, was man an dem Rahmen erkennt. Das Papiersymbol zeigt, dass es eine Notiz zu diesem Eintrag gibt.

 

Und hier sieht man, wie der Text von Zauberhand in Scrivener gelandet ist.
Und hier sieht man, wie der Text von Zauberhand in Scrivener gelandet ist.

Viel Spaß!

Mind-Was? Mind-Maps sind ein verbreitetes Werkzeug zum Brainstormen und zum Strukturieren von Ideen. Ein beliebtes Programm in der Scrivener-Gemeinde ist das (vom gleichen Programmierer stammende) Scapple. Scapple hat gegenüber den meisten vergleichbaren Programmen den Vorteil, dass man seine Notizen völlig frei festhalten kann. Man muss nicht von einem zentralen Thema aus Kinder und Kindeskinder verknüpfen, wie es üblicherweise der Fall ist. Unter Umständen kann es aber auch anregend sein, beschränkter zu sein und nicht darüber nachdenken zu müssen, wo und wie man seine Ideen anordnet. Mind-Map-Programme übernehmen die Anordnung häufig selbst, so dass man nur Punkte hinzufügen muss und sich…

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Über Robert Friedrich von Cube

Robert Friedrich von Cube
R.F. von Cube schreibt mit Scrivener, den Fingern und dem Herzen. Kurzgeschichten von ihm findet man im ohneohren Verlag und bei Art Skript Fantastik. Alles Mögliche in seinem Blog http://zeichensturm.wordpress.com.

Alternatives Ergebnis

Organisationstipp: Sammlungen (Collections)

Wer hatte nicht schon einmal das Gefühl, es wäre sinnvoll und nützlich, wenn man die …

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